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Auf dem kleinen Freimarkt genießen Bremer schon mal den Kirmes-Duft, bevor es dann rüber auf die Bürgerweide geht. Besonders das historische Ambiente hat es vielen Besuchern angetan.

Es ist eine Mär, die Eltern ihren Kindern seit Generationen über den kleinen Freimarkt erzählen: In dieser Mär heißt es, dass es keinen weiteren Freimarkt außer eben diesen zwischen Rathaus und Bürgerschaft gibt. Über den Freimarkt auf der Bürgerweide fällt kein Wort. Warum das so ist? Ganz einfach. Viele Eltern stellen eine simple Rechnung auf: Auf einem kleinen Markt der Möglichkeiten geht das Geld für Karussell und Zuckerwatte weniger schnell flöten als auf einem großen Rummelplatz. Deswegen sollten die Kinder in dem Glauben belassen werden, dass es außer dem kleinen Freimarkt keinen anderen gibt.

Bei dieser Erzählung muss Susanne Keuneke lächeln. Sie gehört zu den Schaustellern auf der Bürgerweide, die 50-Jährige steht vor einem Grill und wendet die dampfenden Würstchen. „Zwischen kleinem und großem Freimarkt liegen Welten. Der Kleine hat mit dem Großen nichts zu tun.“ Keuneke kann das sagen, denn sie ist auf dem Freimarkt groß geworden. Sie kennt die Schausteller, die aus aller Welt nach Bremen kommen, und deren Geschichten.

Klein ist wohl das richtige Stichwort, denn der Freimarkt in der Innenstadt ist mit seinen rund 20 Schaustellern recht überschaubar. Auf ihm dreht sich ein Nostalgiekarussell mit Pferden, auf denen kleine Mädchen sitzen und ihren Müttern zuwinken. Weiter hinten steht ein kleines Riesenrad mit verschnörkelten Gondeln. Zuckerwatte, Mandeln und Autokarussell gibt es auch. Was macht diesen Teil des Freimarkts also einzigartig? „Der kleine Freimarkt ist entschleunigt, er ist sehr viel beschaulicher“, sagt Keuneke.

Kleines Vergnügen im Alltag

Die Menschen suchten dort ein kleines Vergnügen – mitten im Alltag, wenn sie zum Shoppen gehen, aber nicht viel Zeit haben. „Andere kommen in der Mittagspause, um Freimarktluft zu schnuppern. Der kleine Freimarkt macht Appetit auf mehr“, sagt Keuneke. Richtig Spaß haben und feiern könne man aber eher auf dem großen Freimarkt. Deswegen ziehe es viele Besucher nach einem Gang über den kleinen Freimarkt in Richtung ­Bürgerweide.

Für die achtjährige Lily ist das auf dem kleinen Freimarkt jedoch keine Alternative. In der Hand hält sie einen Kescher, mit dem sie Bälle einfängt, die von einem Getriebe in die Luft geblasen werden. Neben ihr am Stand steht Lilys Mutter, die sie anfeuert. „Meine Tochter mag keine lauten Karussells. Deswegen sind wir auf dem kleinen Freimarkt besser aufgehoben“, sagt Annette Priem. Gleich nebenan steht ein junges Pärchen am Würstchenstand. „Wir sind aus Fulda angereist“, erzählt die 21-jährige Toni Sell. „Wir mögen am kleinen Freimarkt das traditionelle Ambiente inmitten von Rathaus und anderen historischen Gebäuden.“

Tradition ist für den kleinen Freimarkt wichtig. „Wenn man hier seine Stammkunden hat, die jedes Jahr wiederkommen, will man nicht auf den großen Freimarkt wechseln“, weiß Susanne Keuneke. „Dann macht man hier genauso seinen Umsatz.“ Ein Beispiel für Tradition: Mit 83 Jahren verkauft Schaustellerin Hilde ihre Flammkuchen immer noch selbst. Ein Zuviel an Tradition verträgt jedoch auch der kleine Freimarkt nicht. „Das wäre tödlich“, sagt Keuneke. Deswegen kamen mit der Zeit weitere Schausteller auf den Marktplatz, die neue Leckerbissen, etwa Chips oder Schafskäse, anpriesen.

Zwischen Tradition und Wandel

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich Tradition und Wandel auf dem kleinen Freimarkt abwechseln. Mal gab es ihn auf dem Liebfrauenkirchhof, auf dem Domshof oder in den Wallanlagen, bis er schließlich auf dem Marktplatz ankam. Dort sollte er aber eigentlich heute gar nicht mehr sein, denn die Veranstalter hatten sich eine Frist gesetzt.

Keuneke: „1966 sollte es zur 1000-Jahr-Feier Bremens einmalig einen kleinen Freimarkt auf dem Marktplatz geben. Das hatte etwas mit Tradition zu tun, denn schließlich prägten schon vor über 1000 Jahren Gaukler, Spielleute und Wahrsager die Stadt.“ Diese Zeit habe man den Bremern zurück ins Gedächtnis rufen wollen, erläutert Keuneke. Was als einmalige Werbemaßnahme gedacht war, ist bis heute geblieben.

Ein wenn auch vorläufiges Ende hat der kleine Freimarkt dennoch: Wenn die 17 Tage der fünften Bremer Jahreszeit vorüber sind, wird der kleine wie auch der große Freimarkt symbolisch zu Grabe getragen. Doch eins ist gewiss: Auch im kommenden Jahr werden sich die Gondeln des Nostalgie-Riesenrads wieder drehen.

Von Silvia Pucyk


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