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Auf Freimarkt-Streife mit der Polizei





Ihre Schicht beginnt um 13 Uhr oder um 15.30 Uhr – und sie endet erst, wenn der letzte Gast die Bürgerweide verlassen hat. Das kann durchaus bis nach Mitternacht dauern. Wenn es dann noch vor Dienstschluss zu Auseinandersetzungen zwischen Freimarktbesuchern kommt, sind die beiden Polizisten länger im Einsatz. Auch in diesem Jahr ist die Polizei auf dem Freimarkt mit vielen Beamten präsent.

Der Weser Kurier begleitet die Polizei bei ihrem Streifgang auf dem Freimarkt. Die Polizisten sind: Andre Schlensok und Bente Rave. Fotos: Charlotte Behr

„In den gut zwei Wochen lebt man wirklich nur für den Freimarkt“, sagt André Schlensok. Mit seiner Kollegin Bente Rave dreht er seine Runden auf dem größten Volksfest in Norddeutschland. Freimarkt bedeutet Ausnahmezustand. Von den 17 Tagen haben die Beamten drei bis vier Tage frei. Da habe natürlich nicht jeder Lust, auch noch an seinem freien Tag über die Bürgerweide zu bummeln. Doch man dürfe nicht klagen, räumen die beiden Polizisten ein. Schließlich hätten sie sich freiwillig zum Dienst auf der Bürgerweide gemeldet.

„Der Schlendergang über den Freimarkt ist vor allem auch eine gute Gelegenheit, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, sagt Bente Rave. „Polizei zum Anfassen“, nennt sie es schmunzelnd, als ein kleiner Junge „Hallo“ sagt. Überhaupt lerne man viele Menschen kennen, zum Beispiel auch die Schausteller.

Von der Freimarktwache aus gehen die Polizisten in Doppelstreifen los. „Wir gehen immer entgegen der Laufrichtung“, sagt André Schlensok. Auf diese Weise haben sie einen besseren Überblick. „Ansonsten würden wir uns immer im selben Pulk bewegen.“ Von den Besuchern werden die Polizisten durch die grell-gelben Westen wahrgenommen – und entsprechend schnell belagert. Während eine ältere Dame André Schlensok und Bente Rave ein Lebkuchenherz präsentiert, das sie für die Polizeiwache in ihrem Stadtteil gekauft hat, drückt eine andere Frau dem Beamten ihren angeknabberten Maiskolben in die Hand und zückt ihr Handy. Fotografieren lassen sich die beiden nicht. André Schlensok bedauert, dass oft nicht einmal gefragt werde. „Für die meisten ist es selbstverständlich, einfach zu fotografieren“, sagt er. Insgesamt zeigten sich die Besucher jedoch respektvoll. Distanzlosigkeit gebe es vor allem dann, wenn Alkohol im Spiel sei.

Die Polizei ist auf dem Freimarkt präsent und ein Ansprechpartner für die Besucher.

Doch nicht alle Streifen fallen so schnell auf wie die beiden Polizisten in Weste und Uniform. Auch Beamte in Zivil sind auf dem Festgelände unterwegs. Verstärkung sei in 30 bis 60 Sekunden an Ort und Stelle, wenn es notwendig sei. „Zu Beginn der Schicht ist wenig los“, sagt André Schlensok. Doch gegen Abend kommt es häufiger vor, dass die Polizisten eingreifen müssen. Meistens liegt es am Alkohol. Auseinandersetzungen beschränken sich jedoch auf die Festzelte, sagen die Polizisten. In solchen Fällen sei besonders viel Ruhe, Geduld und Empathie gefragt. „Meistens sind Kleinigkeiten der Auslöser“, sagt André Schlensok.

Im Bayernzelt zieht es Bente Rave und ihren Kollegen sofort auf den Balkon, von dort haben sie einen guten Überblick. Auch am Autoscooter schauen sie genauer hin, weil sich dort vorwiegend Jugendliche aufhalten – und nicht selten verbotenerweise rauchen oder Alkohol trinken. Wie auf Kommando werden Bent Rave und André Schlensok fündig: Ein Jugendlicher fällt durch seine plötzliche Flucht auf, als er die beiden Polizisten sieht. Eine Packung Tabak hat der Minderjährige dabei, Papiere allerdings nicht. Deshalb nehmen ihn die Polizeibeamten mit zur Freimarktwache. „Weißt du, was passiert, wenn man so früh raucht? Dann wächst man nicht mehr“, sagt André Schlensok. Nach einer Ermahnung darf der Jugendliche das Revier verlassen – ohne den Tabak.

Jetzt geht es richtig los: Am Eingang zum Riesenrad haben zwei Security-Männer den Streit einer Gruppe Jugendlicher mitverfolgt. Sofort sprinten André Schlensok und Bente Rave los. Die Lage ist nicht gleich klar, deshalb fordern sie Verstärkung an. In weniger als einer Minute sind zehn weitere Beamte vor Ort. Einer der Jungen soll einem anderen mit einem Messer gedroht haben. Die Polizisten durchsuchen den Beschuldigten, können aber kein Messer finden. Der Jugendliche nimmt die Situation alles andere als ernst und macht sich sogar lustig: „Warum muss ich nur immer lachen, wenn die Polizei da ist?“, sagt er.

Als ihn die Polizisten zur Wache mitnehmen, schwindet sein Mut. Während Bente Rave den Vater des Jugendlichen anruft, erklärt er André Schlensok deutlich kleinlauter: Der Satz „Ich stech dich ab“ sei ihm einfach so herausgerutscht. André Schlensok schlägt dem Jungen vor, es lieber einmal mit einem Hobby wie Fußballspielen zu probieren. Der Jugendliche  schüttelt den Kopf, das sei nichts Neues für ihn. „Dann mach doch etwas anderes“, sagt der Polizeibeamte „Wenn man etwas unternimmt, kommt man nicht auf so blöde Ideen.“

Der Vater hat keine Zeit, seinen Sohn abzuholen. Deshalb kommt jetzt der Onkel zur Freimarktwache. „Das ist schon eine bedrückend, wenn die Eltern ihr Kind nicht abholen können“, sagt André Schlensok später. Er und seine Kollegin drehen wieder ihre Runde auf der Bürgerweide. Der Abend ist noch lang.

Von Christine Leitner


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