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„Brot für die Welt“-Sammler auf dem Freimarkt





Die Aktion für „Brot für die Welt“ geht in die 51. Runde. Auch in diesem Jahr sammeln Freiwillige für den guten Zweck vor den Toren des Bremer Freimarkts.

Die negativen Sprüche kennt er. Ingo Veit von der Bremer Kreuzgemeinde bittet seit vielen Jahren während des Freimarkts um Spenden für „Brot für die Welt“. Fragen wie „Und wer spendet mir was?“ seien dabei an der Tagesordnung. Deshalb hat Veit immer ein bisschen Kleingeld in der Tasche, um es den Nörglern zu geben. Manchmal würden die Leute daraufhin wirklich noch spenden, sagt er. Sie begreifen dann, wie gut es uns eigentlich gehe, mutmaßt der Sammler.

Ingo Veit von der Kreuzgemeinde sammelt für „Brot für die Welt“. (Christina Kuhaupt)

Dieses Jahr geht die Aktion für „Brot für die Welt“ in die 51. Runde. Die Freiwilligen stehen dann jeden Tag am Bahnhofsvorplatz und vor dem Eingang des Freimarkts – von der Marktöffnung bis abends zur Schließung. Organisiert wird die Aktion von der Kreuzgemeinde in Zusammenarbeit mit der Diakonie Bremen. Dieses Mal geht der Erlös an ein Ausbildungsprojekt in El Salvador. Dort werden Jugendliche aus Problemvierteln der Hauptstadt San Salvador bei der Ausbildung und späteren Stellensuche unterstützt. In den vergangenen Jahren kamen immer um die 10.000 Euro zusammen.

Ein positiver Wandel der Gesellschaft

Ingo Veit sammelt seit 1990 Spenden für „Brot für die Welt“ vor den Toren des Freimarkts. Für ihn gebe es keinen besseren Ort, um die Gesellschaft kennenzulernen, sagt er. Nicht einmal in der Straßenbahn treffe man auf so viele unterschiedliche Menschen, sie kämen aus allen Bevölkerungsschichten. „Es entwickeln sich teilweise tolle Gespräche mit den Spendern“, berichtet er. Seine ihm liebste Erfahrung aus den vergangenen 27 Jahren seiner Sammlerkarriere sei, dass seine einstigen Vorurteile nicht mehr funktionierten. Als Veit anfing zu sammeln, hätten sich seine Vorstellungen darüber, wer ihm Geld in die Sammeldose werfe, noch regelmäßig bestätigt. Heutzutage könne er überhaupt nicht mehr voraussehen, ob jemand spendet oder nicht. „Die Gesellschaft hat sich gewandelt und das ins Positive“, findet er.

Positiv sei trotzdem nicht alles beim Sammeln. Viele kämen mit den negativen Sprüchen, einige zweifelten auch daran, dass die Spenden tatsächlich ankommen. Aber da kann Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werkes, beruhigen: „Brot für die Welt hat ein Spendensiegel. Von einem gespendeten Euro kommen 96 Cent bei den Projekten an. Vier Cent sind Verwaltungskosten.“ Erkennbar seien die Sammler an ihren auffälligen Jacken, dem Bauzaun-Banner und ihren Ausweisen mit dem Spendensiegel vorne drauf.

Auf Augenkontakt setzen

„Früher habe ich versucht, die Menschen mit Sprüchen anzulocken. Heute setze ich lieber auf Augenkontakt“, sagt Veit. Am besten seien die Tage mit mittlerer Besucherzahl, Tage, an denen die Sammler nicht in der Menge untergehen. Viele Menschen spendeten jedes Jahr und planten bei ihrem Besuch schon eine kleine Gabe ein. Auch die Freimarktleitung findet, dass die Sammler zum Volksfest gehören: Die Spenden seien ein sinnvoller Kontrapunkt zum Vergnügen auf dem Freimarkt. Schließlich gehörten Freude und Teilen zusammen.

Die „Brot für die Welt“-Sammler kommen größtenteils aus der Kreuzgemeinde, aber es kann jeder mitmachen, der möchte. Die Helfer sind immer zu zweit für jeweils zwei Stunden unterwegs. „Manche nehmen sich extra Urlaub, andere sind schon seit der ersten Sammelaktion dabei“, erzählt Veit. Er selbst mag die Abendschichten am liebsten. Die seien am spannendsten. Was er sonst noch immer auf dem Freimarkt macht? „Einmal ein Fischbrötchen an der Bude mit der Leuchtturm-Rutsche essen.“ Das gehöre für ihn zum Freimarkt wie das Spendensammeln.

Von Kea Neeland


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