Aktuelles Freimarkt-Wetter

-2 °C und Klarer Himmel

Aktuelles Wetter

-2 °C
Klarer Himmel

Freimarktsumzug: Radio Bremen zieht den Stecker





Geschmückte Wagen, schrille Kostüme und haufenweise Bonbons – es waren bunte Fernsehbilder, die Radio Bremen am vergangenen Sonnabend live aus dem Trubel des Freimarktsumzugs sendete – offenbar zum letzten Mal. Nach Informationen des WESER-KURIER will der Sender den Umzug aus Kostengründen künftig nicht mehr in Echtzeit im Fernsehen übertragen.

Rolf Herderhorst, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Bremer Märkte und Organisator des Freimarktumzuges, ist enttäuscht. Vor dem diesjährigen Freimarktsumzug habe ihm der stellvertretende Redaktionsleiter des Regionalmagazins „buten un binnen“ schriftlich mitgeteilt, dass Radio Bremen die Live-Berichterstattung zum Freimarktsumzug einstellen werde. „Es hieß: Wir haben kein Geld mehr“, sagt Herderhorst.

Dieses Geld sei in der Vergangenheit aber gut investiert gewesen. Von Radio Bremen habe er immer nur gehört, die Quoten für die Sendezeit am Mittag seien sehr gut. „Deshalb kann ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagt Herderhorst. Klar, Radio Bremen müsse sparen. „Aber man hätte ja erst einmal überlegen können, wie die Übertragung günstiger gestaltet werden kann.“

Zum 50. Mal war am Sonnabend der bunte Tross durch die Bremer Innenstadt gezogen. Zu der knapp drei Kilometer langen Karawane mit 143 geschmückten Wagen hatten sich etwa 4000 Teilnehmer angemeldet. 150 000 Menschen feierten mit.

Die Live-Sendung im Fernsehen gibt es seit 1997. Bei der Übertragung am Sonnabend hatten die Moderatoren diverse Facebook-Posts aus der ganzen Welt vorgelesen, mit denen sich Zuschauer für die alljährliche Live-Sendung bedankten. „Die Übertragung hat eine enorme Werbewirkung für Bremen“, sagt Herderhorst. Von den Fernsehbildern des Umzugs, des Rathauses und Bremens historischer Altstadt profitiere auch der Tourismus.

Auf Nachfrage des WESER-KURIER will sich der Radio-Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch zur Zukunft der Live-Sendung zum Freimarktsumzug nicht eindeutig äußern. „Selbstverständlich wird Radio Bremen auch in 2018 wieder darüber berichten“, teilt er in einer Stellungnahme mit. „In welcher Form und mit welchem Aufwand können wir jetzt, direkt nach dem Umzug 2017, noch nicht konkret sagen. Das planen wir erst in 2018.“

In diesem Jahr wurde das Gespann der „Adelheider“ von der Jury zum schönsten Festwagen gekürt.

Vor drei Jahren hatte der Sender die Live-Übertragung noch als Quotenerfolg gefeiert. Im Sendegebiet des NDR und von Radio-Bremen-Fernsehen sahen damals laut einer Pressemitteilung insgesamt 200 000 Menschen vor dem Bildschirm und bescherten Radio Bremen einen Marktanteil von 11,4 Prozent. Auch die Bremer Quoten waren 2014 ordentlich: 30 000 Zuschauer waren es in der Hansestadt. Somit schalteten 28,9 Prozent den Sender ein.

In diesem Jahr waren es sogar noch mehr Bremer. „Der Freimarktsumzug ist ein bedeutendes regionales Ereignis, das sich neben den zahlreichen Besuchern an der Strecke auch 40 000 Menschen im Stream oder vor dem Fernseher in Bremen angeschaut haben“, so Weyrauch. Der Marktanteil lag demnach bei 36,5 Prozent. Die Übertragung des Freimarktumzugs 2017 sahen im Sendgebiet des Dritten Programms insgesamt 90 000 Zuschauer. Der Marktanteil betrug noch 5,7 Prozent.

Neben Radio Bremen hatte unter anderem auch der WESER-KURIER den Umzug in diesem Jahr per Livestream bei Facebook übertragen. Überlegungen, ob verschiedene Online-Formate eine TV-Übertragung in Echtzeit künftig ersetzen könnten, will Herderhorst noch nicht anstellen. Für ihn ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Wenn nach dem Freimarkt und dem Weihnachtsmarkt wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, will sich der Organisator des Umzugs Anfang des nächsten Jahres mit den Verantwortlichen von Radio Bremen und dem NDR noch einmal zusammensetzen.

Von Jan Oppel


Teilen: