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Mehr als 90 Jahre Eiszeit



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Britta und Albert Coldewey stellen in dritter Generation Eis wie Sahne her. Auf den Freimarkt freuen sie sich immer besonders, denn der sei schließlich ihr „Heimspiel“.

Alles begann 1922 mit einem Handkarren, aus dem die Brüder Albert und Heinrich Manke ihr selbst gemachtes Eis verkauften. Seitdem ist das „Eis wie Sahne“ nicht mehr wegzudenken von den Jahrmärkten in Norddeutschland. Albert und Britta Coldewey verkaufen das cremig geschlagene Eis zusammen mit dem hausgemachten Speiseeis bereits in dritter Generation. Auch in diesem Jahr sind sie mit zwei Ständen auf dem Freimarkt vertreten.

„Das Besondere an unserem Eis ist, dass wir es immer frisch in unseren Eiswagen herstellen“, sagt Albert Coldewey, der beim Verkauf ein rot-weiß kariertes Hemd und eine rote Schürze trägt. „Wir arbeiten nicht auf Vorrat. Eis wie Sahne kann nur frisch verkauft werden, sonst ist es nicht mehr so cremig.“ Im Eiswagen befindet sich ein Vorratsraum mit Kühlschrank und Tiefkühlfach. Sobald eine Eissorte zu Neige geht, beginnt einer der Mitarbeiter, neues Eis herzustellen.

Freimarkt - Geschichte über Familie, die den Stand "Eis wie Sahne" betreibt - Albert und Britta Coldewey

Das Rezept und der Name „Eis wie Sahne“ sind nicht geschützt, weshalb es unterschiedliche Interpretationen zu kaufen gibt. „Jeder hat sein Hausrezept“, sagt Britta Coldewey. „Die Hauptzutaten sind Milch und Zucker.“ Mehr möchte sie aber nicht verraten. Besonders wichtig ist den beiden die Qualität ihrer Zutaten: Die Vanille kommt aus Madagaskar, die Milchprodukte stammen von regionalen Lieferanten. Doch gerade das bereitet manchmal Schwierigkeiten. Etwa, wenn die Preise für bestimmte Rohstoffe stark ansteigen, wie es dieses Jahr für Vanille der Fall ist.

Bei der Sorten bleiben die Coldeweys lieber traditionell. „Wir sind wenig trendig“, sagt Britta Coldewey. „Wir bieten ganz klassisch im Herbst Zimteis und im Sommer Fruchteis an.“ Neben dem traditionellen Eis wie Sahne verkaufen sie acht bis neun Eissorten. Außerdem bieten sie lactose- und glutenfreie Sorten an. Auf Farbstoffe verzichten sie ganz, sagen sie. Es sei interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich die Geschmäcker in den Regionen und Städten sind, die sie mit ihren Eiswagen besuchten. „Ananas-Eis wird nur in Cuxhaven gerne gegessen“, sagt die 51-Jährige. „Typisch bremisch ist das Schokoladeneis. Auch das Zimteis ist hier sehr beliebt.“

Nachdem die Brüder Albert und Heinrich Manke 1922 mit ihrem Handkarren den Eisverkauf begonnen hatten, folgten 1923 die ersten Jahrmarktsstände, und der Verkauf von Eis wie Sahne begann. Ab 1966 nahm die Familie den ersten Eiswagen in Betrieb. „Ich weiß noch den Werbespruch meiner Großmutter“, erinnert sich Albert Coldewey. „Eis wie Sahne – wer einmal leckt, der weiß, wie es schmeckt. Damals wurde das Eis auf den Jahrmärkten noch lauthals beworben.“

Vor 35 Jahren begann er, zusammen mit seinen Eltern auf Jahrmärkten zu arbeiten. Er erinnert sich noch, wie sie während eines Jahrmarktes im Wohnwagen übernachteten. Der Elektriker schloss ihn für die Stromversorgung an eine Straßenlaterne an. „Wir hatten dadurch nur Strom, wenn die Straßenlaterne brannte“, sagt er und lacht.

Für das Ehepaar ist der Arbeitsalltag „gut gefüllt“, wie Britta Coldewey sagt. „Am Sonntag waren wir um ein Uhr morgens im Bett und sind um sieben wieder aufgestanden.“ Sie begleiten den Eisverkauf jeden Tag von Anfang bis Ende. Insgesamt sind sie auf über 30 Jahrmärkten und Veranstaltungen im Jahr vertreten. Außerdem müssen sie Arbeitspläne schreiben, Zutaten nachkaufen und sich neben dem Eisverkauf um ihr neues Projekt kümmern: die Lebkuchen- Manufaktur in der Überseestadt. „Wir haben überlegt, was wir neben dem Eis noch machen können“, sagt sie. „Eis ist im Winter suboptimal. Ich habe den ganzen Sommer über Lebkuchen gebacken und Familie und Freunde testen lassen.“

Freimarkt - Geschichte über Familie, die den Stand "Eis wie Sahne" betreibt - Albert und Britta ColdeweyIhre Premiere hatten die Lebkuchen 2012 auf dem Weihnachtsmarkt. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Herstellung viel arbeitsintensiver war, als man gedacht hatte. „Aber unsere Kunden und Mitarbeiter meinten, wir sollten weitermachen“, sagt Britta Coldewey. Die Lebkuchen fertigen sie ebenso wie das Eis frisch am Verkaufsstand. Seit 2014 gibt es die Manufaktur, von wo aus die Onlinebestellungen bearbeitet und Führungen angeboten werden.
Die Kunden befeuern Britta und Albert Coldeweys Leidenschaft für die Arbeit. „Es ist schön zu sehen, wie sich jemand über sein Eis freut“, sagt Albert Coldewey. „Bei den Älteren weckt unser Eis Kindheitserinnerungen.“ Die beiden kennen ihre Kunden über Generationen hinweg. Auf den Freimarkt freuen sie sich immer besonders. „Für uns ist das ein Heimspiel“, erzählen sie. „Viele Stammkunden aus der Region kommen vorbei und besuchen uns.“ Außerdem gebe es ihr Eis nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Dadurch wachse die Vorfreude.

Die Gläserne Lebkuchen-Manufaktur befindet sich am Fabrikenufer 111 in Bremen. Sie ist von Oktober bis Dezember montags bis zum Sonnabend von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Isabel d’Hone


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