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Mit fetten Aalen zum Bremer Freimarkt





Aale, Brassen und Hechte gab es in den Truper Blänken früher im Überfluss, Enten auch. Bis zur Entwässerung waren die Blänken ein flacher See. Mit Fischfang und Entenjagd war Geld zu verdienen.

 

Stolz präsentieren die Entenjäger ihre Beute in den Truper Blänken. (Heimatverein Lilienthal)

 

Lilienthal. Die fetten Aale waren bei den Bremern sehr gefragt. Zur Freimarktzeit fuhren die Truper Fischer mit ihrer üppigen Ausbeute bis zu drei Mal in die alte Hansestadt. Im 19. Jahrhundert karrten sie raue Mengen an Aalen, Brassen und Schleien, Hechten und Backfisch auf den Bremer Marktplatz und in die Börsenpassage, wie der Lilienthaler Heimatforscher und Chronist Karl Lilienthal 1937 und 1940 berichtete. Sehr begehrt waren lebende Aale, die sich „durch großen Wohlgeschmack“ auszeichneten, wie Lilienthal schreibt. Die Truper lebten vom Reichtum der Natur vor den Toren ihrer Gehöfte. Die Blänken waren damals noch ein 100 Hektar großer flacher See mit Fischen und Vögeln im Überfluss. Mit der Fischerei und der Entenjagd waren Geschäfte zu machen. Sie warfen mehr ab als die Landwirtschaft.

Karl-Heinz Sammy, der Archivar des Lilienthaler Heimatvereins, kennt die Truper Blänken aus seiner Kindheit noch als Sumpfgebiet. Die Entwässerung hatte bereits in den 1930er-Jahren begonnen. Zu Beginn der 50er-Jahre war die Klosterweide noch keine Siedlung, sondern eine Gemeinschaftsweide, auf der Moorhauser und Frankenburger Bauern ihre Kühe grasen ließen. Zum Kühehüten ist er als Sechsjähriger mit seinem Großvater auf die Klosterweide gegangen. Die Weide endete hinter dem heutigen Friedhof Klosterweide. Dort begannen die Truper Blänken, die sumpfig waren und voller Binsen. „Der Großvater hat die Binsen geschnitten“, berichtet der Archivar des Heimatvereins. „Daraus wurden Fußmatten gemacht und kleine Körbe.“

Der 73-Jährige erinnert sich noch daran, dass er mit seinem Großvater am Rande der Truper Blänken gefrühstückt hat. Sie hockten sich in eine Poolhütte der Entenjäger. Die Entenjagd war in den Truper Blänken ein fast genauso einträgliches Geschäft wie die Fischerei. Damals saßen die Jäger in mondhellen Nächten mit ihren Flinten in den niedrigen Hütten. Sie hatten Hausenten in Käfigen als Lockvögel dabei, wie Sammy erklärt. Die Rufe der zahmen Enten erregten die Aufmerksamkeit der Wildenten. Sie kamen in Scharen, und die Jäger holten mit ihren Büchsen so viele wie möglich vom Himmel. „In den Poolhütten haben die ihre Nächte verbracht und dabei einen guten Tropfen zu sich genommen“, sagt Sammy.

Seine Urgroßeltern in Truperdeich hätten vor allem vom Fischfang und von der Entenjagd gelebt, berichtet der Archivar des Heimatvereins. „Die hatten auch zwei Kühe, aber das war der Nebenerwerb. Die haben in Bremen Enten und Fische verkauft.“ Karl-Heinz Sammy weiß auch noch, dass die Bauern damals ihr Heu von den Weiden jenseits der Truper Blänken mit Kähnen zu ihren Höfen transportierten. Einer soll bei einer Heufahrt vom Schiff gefallen und in den Truper Blänken ertrunken sein. „Es gab damals einen breiten Graben direkt am Goosort. Den kenne ich noch aus meiner Kindheit.“ Der Sand für das alte Bauernhaus seiner Familie, das 1845 auf einer Warft an der Moorhauser Landstraße errichtet wurde, sei auch mit dem Schiff durch die Truper Blänken transportiert worden, sagt Sammy.

Der Heimatforscher und Buchautor Karl Lilienthal hat die Blänkenlandschaft in einem Aufsatz vorgestellt, als sie 1940 unter Naturschutz gestellt wurde: „Überaus reich ist die Vogelwelt der Blänken. Über die fischreichen Wasserzüge geht der Flügelschlag des Storches, zwischen Ried und Gras stolzieren alle Arten von Wat- und Sumpfvögeln, Reiher und Kranich, Schnepfe und Kampfläufer, Brachvogel und Regenpfeifer, Wiesenschnarre und Kiebitz.“ Auf dem flachen Wasser tummelten sich Schwärme von Lachmöwen. „Ein echtes Eldorado aber sind die Blänken für die Wildente und ihre Abarten, Stockenten, Krickenten, Langhälse und Löffelenten.“ Ihr Vorhandensein habe die von den heimischen Jägern leidenschaftlich betriebene Pooljagd hervorgebracht.

Bis zum ersten Weltkrieg sei die Entenjagd ein einträgliches Geschäft gewesen, schreibt Karl Lilienthal. „Sie brachte dem einzelnen Jäger leicht eine Jahreseinnahme von 50 bis 300 Talern, sofern er sein Geschäft verstand.“ Noch um das Jahr 1900 habe es in den Truper Blänken 40 Poolhütten gegeben. Der sportliche Reiz der Pooljagd habe in manchen Familien eine Jagdleidenschaft erzeugt, „die sich auf Generationen vererbte.“

Geschäftstüchtig waren sie, die Anrainer der Truper Blänken. Schnell fanden sie heraus, was den Bremern noch so alles gefiel. Also verkauften sie den Hanseaten auch jede Menge Blumen: Seerosen und Lilien. „Ein begehrter Schatz waren im Frühjahr und Sommer die Wasserrosen und Lilien“, schwärmte Karl Lilienthal. „Im April und Mai leuchteten die Blänken in verschwenderischem Glanz von ihren Blütenblättern und -kelchen.“ Sie mussten nach seinen Worten „voll, weiß und im ersten Schmelz des Erwachens gepflückt werden und frisch an den Stadtmarkt gelangen. Ganze Karren voll schleppten die fleißigen Pflücker.“ Begehrt waren in der Hansestadt auch die Lampenputzer, braune Rohkolben, die im Schilf wuchsen. Die verkauften die Truper den Bremern gleich mit, in Bündeln zu 100 Stück für eine Reichsmark.

Von Michael Wilke


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