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Täglich laufen durchschnittlich 120 000 Menschen durch den Bremer Hauptbahnhof. Während des Freimarkts verdoppelt sich diese Zahl. Am Nordausgang sorgt das vor allem abends und an den Wochenenden für Stau. Der Andrang am Willy-Brandt-Platz wird zunehmend zum Problem: An dem beliebten Treffpunkt für Freimarkt-Gruppen geht zu den Spitzenzeiten nichts mehr.

Die Sicherheit auf dem größten Volksfest im Norden war das bestimmende Thema beim traditionellen Freimarkt-Frühschoppen, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Selbstständige in der SPD am Mittwoch ins Riverboat geladen hatte. Der überfüllte Ausgang zur Bürgerweide bereitet den Verantwortlichen zunehmend Sorgen. Zu den Stoßzeiten sei das Gedränge kaum zu ertragen, klagte Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands. Der Besucherstrom staue sich bis in den Bahnhof.

Der Nordausgang des Bahnhofs ist während des Freimarkts ein beliebter Treffpunkt – und meist total überfüllt. Fotos: Christina Kuhaupt

Dort könnten die Gastronomen die Situation ausnutzen und ihr Angebot immer weiter in die Halle verlagern, was den Fußverkehr noch zäher fließen lassen würde, argwöhnte der Schaustellerchef. „Ich ärgere mich jedes Jahr darüber, dass wir draußen alles Mögliche tun, um die Situation zu verbessern und gleichzeitig drinnen wilde Sau gespielt wird. Diese Partymeile im Bahnhof macht viel kaputt.“ Einige Lokale hätten an den Wochenenden sogar Go-go-Tänzerinnen engagiert. Mit dem familiären Charakter des Freimarkts sei das nur noch schwer vereinbar. Ein weiteres Ärgernis sieht Robrahn in den Obdachlosen, die seinem Eindruck nach „immer aggressiver“ betteln und dabei die Ausgänge auf der Nordseite verstellen.

„Die Situation am Ausgang zur Bürgerweide muss verbessert werden“, befand auch Marita Wessel-Niepel, die beim Wirtschaftssenator die Abteilung Gewerbe- und Marktangelegenheiten leitet und in diesem Jahr zum ersten Mal für den Freimarkt zuständig ist. Bei einem Ortstermin habe sie sich mit den Veranstaltern und Vertretern der Sicherheitsbehörden ein Bild der Lage gemacht. Zuvor waren Versuche gescheitert, die Besucher per Online-Aufruf zu anderen Treffpunkten zu lotsen. „Es ist nach wie vor sehr voll“, so Wessel-Niepel. Von diesem Donnerstag bis einschließlich Sonnabend soll daher das Sicherheitspersonal am Nordausgang aufgestockt werden, um das Gedränge zu entzerren.

Damit allein sei es aber nicht getan, sagte Sükrü Senkal, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. „Die Situation ist sehr gefährlich.“ Dazu trügen unter anderem auch die Schiebetüren am Nordausgang bei, die den Besucherstrom weiter bremsten. „Wenn irgendwas passiert, knallt alles gegen diese Front“, so der SPD-Politiker. „Seit zwei, drei Jahren reden wir über dieses Thema – aber passiert ist nichts.“

Marita Wessel-Niepel (von links), Ekkehart Siering und Maik Wedemeier

In dieser Sache war sich Senkal mit Susanne Keuneke einig. „Ich habe das Gefühl, dass wir immer nur Schadensbegrenzung betreiben, um die Katastrophe abzuwenden“, sagte die Vorsitzende des Vereins der Schausteller und Marktkaufleute Bremen. Das Problem müsse endlich gelöst werden. „Immer mehr Ordnungskräfte, die Besucher in die Ecken drängen, haben mit Willkommenskultur herzlich wenig zu tun.“ Ein Anfang wäre laut Keuneke gemacht, wenn die vielen geparkten Fahrräder am Nordausgang während der Freimarktszeit verschwinden würden, um mehr Platz für die Besucher zu schaffen. Eine Kirmesorgel am Nordausgang und Schilder mit der Aufschrift „Herzlich willkommen“ und „Auf Wiedersehen“ könnten ihrer Auffassung nach dazu beitragen, immerhin das äußere Erscheinungsbild des Vorplatzes zu verbessern.

Mit der Situation auf dem Freimarkt sind die Schausteller alles in allem zufrieden. Das Sicherheitskonzept gehe bislang auf, sagte Robrahn. Zäune und Betonsperren wie etwa auf dem Münchener Oktoberfest gibt es auf dem Bremer Freimarkt nicht. „Wir wollen aus dem Fest keine Festung machen“, stellte Robrahn klar. Die Wachleute einer privaten Sicherheitsfirma kontrollieren an den sechs Eingängen zur Bürgerweide die Besucher. Auf dem Freimarkt laufen uniformierte Beamte sowie Polizisten in Zivil Streife.

Einig waren sich am Ende alle, dass der Freimarkt seinen traditionellen Charakter behalten soll. „Wir wollen keine Sauffeste wie an anderen Orten“, stellte Staatsrat Ekkehart Siering klar und bekam dafür Applaus von den Schaustellern. Stattdessen solle der Freimarkt weiterhin vor allem Familien ansprechen. Das positive Ergebnis der repräsentativen WESER-KURIER-Umfrage zum Freimarkt habe diesen Eindruck bestätigt, sagte Maik Wedemeier, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbstständige in der SPD. Der Aussage „Der Freimarkt bietet alles, was ein Volksfest haben muss“ hatten mehr als 86 Prozent der Befragten zugestimmt. „Die jährlich mehr als vier Millionen Besucher zeigen uns, dass wir auf dem Freimarkt das richtige Konzept fahren“, sagte Wedemeier.


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