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Rekommandeure sorgen für Stimmung



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Rekommandeure bringen die Karussels in Fahrt und sorgen für Stimmung auf dem Freimarkt. Die genaue Mischung der Effekte und der Zurufe lernt man in der Praxis, Routine gibt es trotzdem nie.

Alles hört auf ihr Kommando: Claudia Vestermann sitzt im "Break Dance No. 2" an den Schalthebeln. Sie bedient das Fahrgeschäft und sorgt gleichzeitig für die Licht- und Toneffekte. (Christina Kuhaupt)
Alles hört auf ihr Kommando: Claudia Vestermann sitzt im „Break Dance No. 2“ an den Schalthebeln. Sie bedient das Fahrgeschäft und sorgt gleichzeitig für die Licht- und Toneffekte. (Christina Kuhaupt)

„Auf gehts, festhalten!“, hallt eine laute Stimme aus den Lautsprechern, als die letzten Besucher ihren Platz eingenommen haben. Die Wagen nehmen langsam Fahrt auf. Während das Tempo immer schneller wird und die ersten Fahrgäste freudig die Hände in die Luft reißen, begleiten die Rekommandeure die Fahrten mit ihren unverwechselbaren Ansagen und laut dröhnender Musik.

Sobald die Sicherungsbügel des „Break Dancer No. 2“ in den Sitzen herunter geklappt sind, schraubt Claudia Vespermann an einem Rad auf dem großen Mischpult, und die Drehscheibe beginnt sich zu drehen. Mit den Füßen betätigt sie die Pedale für die Effekte, ihre Finger fliegen über die Tasten. Über das Mikrofon spricht sie immer wieder mit den Fahrgästen, feuert sie an und lässt dabei ihre Stimme verzerren oder nachhallen. „Wenn man Lust hat, sprudelt es einfach“, sagt die 42-Jährige.

Vespermann ist Schaustellerin in fünften Generation, im Rekommandeurs-Sessel sitzt sie seit 25 Jahren. Am Anfang, sagt sie, hatte sie immer das Gefühl, alle Fahrgäste starrten sie an. Dabei wüssten am Ende die meisten nicht mal, ob da eine Frau oder ein Mann die Hebel bedient.

Jeder hat seinen eigenen „Fahrstil“

Jeder sei in seinem „Fahrstil“ individuell, sagt Vespermann. Die genaue Mischung der Effekte und der Zurufe lerne man in der Praxis, aber eine Routine, gäbe es wegen der Fahrgäste und der unterschiedlichen Atmosphäre nie. Und die gefällt Vespermann als gebürtige Bremerin auf dem Freimarkt besonders gut.

Ihre Fahrgäste hat Vespermann immer im Blick: Nach einem Blick nach draußen spricht sie direkt einen Vater mit seinem Sohn an: „Na, wie geht es dem Papa mit dem Kleinen dahinten?“ Dabei wird der „Break Dancer“ für einen kurzen Moment langsamer. Der Vater streckt einen Daumen in die Höhe, daraufhin dreht Vespermann die Geschwindigkeit wieder hoch. Abends spielten natürlich mehr Faktoren für die Sicherheit des Fahrgeschäfts eine Rolle, vor allem der Alkoholkonsum der Fahrgäste.

Beim „Happy Sailor“ geht alles etwas gemütlicher zu, hier rekommandiert der 73-jährige Manfred Howey. Er sei der älteste amtierende Fahrgeschäftsbetreiber hier, sagt der Schausteller in dritter Generation. Schon seit 38 Jahren komme er auf den Bremer Freimarkt. Er ist besonders stolz auf die außergewöhnlichen Details seines Fahrgeschäfts: In der Mitte zwischen den im Kreis fahrenden Wagen sprudelt das Wasser.

Wenn er auf einen Knopf auf dem Mischpult drückt, ruft eine eingespielte Stimme seemännisch-rau die Besucher auf, mit an Bord zu gehen. Natürlich rekommandiert Howey auch selbst: Schließlich sei das unerlässlich, um das Publikum einzuladen, betont er. „Am meisten Spaß macht es, wenn es richtig voll ist.“

Was er genau sagt, das macht er vom Publikum abhängig. Ihm ist die maritime Note bei der Musik und den Ansagen wichtig – wenn er zum Beispiel das Lied „Eine Seefahrt, die ist lustig“ abspielt, singen die Menschen in den Wagen auch mal mit. Bei einer solchen Stimmung fällt die Unterhaltung zwischen Rekommandeur und Publikum besonders leicht.

Man braucht echtes Gefühl als Rekommandeur

„Apollo 13“ startet in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Freimarkt. Im Fahrgeschäft von Dieter Küchenmeister sitzt sein Cousin Gilbert Marquis am Mikrofon und rekommandiert. Sie beide sind schon in der fünften Generation Schausteller und mit Fahrgeschäften groß geworden. Rekommandeur sein, sagt Marquis, könne man bestimmt irgendwie Lernen. Aber eigentlich müsse man es hautnah erlebt haben, um ein echtes Gefühl dafür zu bekommen.

Spezialist für Höhenflüge: Gilbert Marquis steuert „Apollo 13“. (Christina Kuhaupt)
Spezialist für Höhenflüge: Gilbert Marquis steuert „Apollo 13“. (Christina Kuhaupt)

Bei „Apollo 13“ dreht sich alles um die Raumfahrt. Es gilt auch hier, thematisch passende Ansagen zu machen. Dabei ist die kleine Kabine, in der Marquis sitzt und das Fahrgeschäft steuert, ganz modern: Vor ihm sind mehrere Bildschirme, neben der Computertastatur ist eine Armatur, mit der er unterschiedliche Jingles und Effekte abspielen kann.

Sein Ziel sei es immer, das Publikum zu motivieren, sagt Marquis – damit die Besucher am besten noch einmal fahren wollen. Und auch wenn seine Stimme mal angeschlagen sei: „Nachher merkt man das gar nicht mehr.“

Eine neue Runde beginnt, Marquis dreht sich wieder zum Mikrofon. Die Menschen halten sich aufgeregt an den Sicherungsbügeln fest, während die Rotoren Fahrt aufnehmen. Und die ersten kreischen schon, während Marquis ruft: „Wir heben ab!“

Von Lisa-Maria Röhling

 

 


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