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Ischa Freimaak! Ab diesem Freitag geht’s auf der Bürgerweise wieder rund. Neben dem traditionellen Anstich des ersten Bierfasses im Bayernzelt gibt es auch in diesem Jahr ein buntes Höhenfeuerwerk.

Ischa Freimaak! An diesem Freitag beginnt der 981. Bremer Freimarkt. Um 16 Uhr hängen Schornsteinfeger auf dem Marktplatz dem Roland das Freimarkt-Herz um. Zur selben Zeit laufen auch die ersten Fahrgeschäfte auf der Bürgerweide an. Hier sticht dann um 18 Uhr im Bayernzelt Innensenator Ulrich Mäurer das erste Bierfass an. Und um 21.45 Uhr erstrahlt das alljährliche Höhenfeuerwerk über Bremen. Verantwortlich dafür sind der Pyrotechniker Sven Schneider und sein Team, die 545 Kilogramm Material mit 800 Feuerwerkseffekten im Gepäck haben.

Der 59-jährige Sven Schneider ist seit seinem 21. Lebensjahr Pyrotechniker – nach dem Sprengstoffgesetz das erforderliche Mindestalter, um Feuerwerker zu werden. Schon sein Vater war Pyrotechniker und hatte 1952 den Familienbetrieb in Goslar gegründet, den der Sohn 1992 übernahm. Für den Freimarkt hat er sich ein spannendes Programm ausgedacht, das für den Laien etwas unverständlich klingt: Da ist von Kugelbomben, Palmenbuketts, Rauschkometen und Sternsalven die Rede, gefolgt von einem „goldenen Schlussbild“.

Fotos: Hans-Henning Hasselberg

Aber wie werden diese Bestandteile des Feuerwerks eigentlich zusammengestellt? „Kommissionierung“ nennt Schneider das. Dahinter versteckt sich, dass jeder Effekt aus unterschiedlichen Materialien besteht, die in sogenannten Bomben zu einem neuen Effekt miteinander verbunden werden.

Im Kontakt mit hochexplosiven Materialien

Für die Vorbereitungen des Feuerwerks auf dem Freimarkt benötige ein zweiköpfiges Team eine Arbeitswoche, schätzt Schneider. Sobald das Programm steht, werde das Material aus dem betriebseigenen Sprengstofflager geholt, entsprechend der einzelnen Programmpunkte „kommissioniert“ und dann bis zum Transporttag wieder eingelagert. Die Fahrt von Goslar nach Bremen unterliegt strengen Richtlinien, erklärt Schneider: Das Fahrzeug muss mit sogenannten Schutzrüstungsgegenständen wie Feuerlöschern ausgestattet sein. Außerdem unterliegt es dem „ADR“, dem europäischen Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße.

Eine richtige mehrjährige Ausbildung zum Pyrotechniker gibt es nicht. Als Schneider in das Familiengeschäft einsteigen wollte, musste er zunächst nachweisen, dass er bereits 26 Großfeuerwerke unter der Aufsicht eines bereits ausgebildeten Pyrotechnikers mitgestaltet hat. Danach folgt ein Antrag auf eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ bei der staatlichen Gewerbeaufsicht, mit der eine genaue Überprüfung des Antragstellers einhergeht. Schließlich kommen Pyrotechniker täglich mit hochexplosiven Materialien in Kontakt.

Montage des Feuerwerks dauert sieben Stunden

Ist die Bescheinigung bewilligt, folgt ein Seminar mit einem Fachkundelehrgang über das Abbrennen von Feuerwerken der Kategorie F4. Großfeuerwerke in dieser Kategorie können potenziell eine große Gefahr darstellen und dürfen deshalb nur mit einer behördlichen Genehmigung und durch anerkannte Pyrotechniker ausgeführt werden. Und genau deshalb gibt es auch alle fünf Jahre eine Auffrischung des Gelernten, damit nichts schiefgeht. Auch neue Produkte und Effekte testet Schneider bei einem öffentlichen „Probeschießen“. Denn einfach mal auf seinem Betriebsgelände experimentieren, ist wegen der Genehmigungspflicht auch nicht möglich, sagt der Fachmann.

Wie man die richtige Kombination der Einzelteile für einen tollen Feuerwerkeffekt lernt? „Das ist wie beim Bäcker und dem Brot“, meint Schneider, dazu brauche es jahrelange Übung. Und irgendwann bekomme man dann eben ein Gespür dafür. Die Planung des Programms in Bremen habe deshalb nur eine Stunde gebraucht. Die Montage des Feuerwerks am Abbrennplatz im Bürgerpark benötige aber sieben Stunden. Dafür müssen Schneider und sein Team die einzelnen „Bomben“ in den Abschussvorrichtungen, die sich „Mörser“ nennen, anbringen und mit entsprechenden Zündern ausstatten.

Über die Genehmigung des Freimarkt-Feuerwerks entscheiden nicht nur die Behörden: Auch die Flugsicherung muss das Abbrennen freigeben. Zusätzlich können schlechte Windverhältnisse dazu führen, dass das Feuerwerk kurzfristig abgesagt werden muss. „Routine ist das nie“, betont Schneider, auch nach so vielen Jahren habe er vor jedem Feuerwerk Lampenfieber. Dabei ist bisher immer alles glatt gelaufen.

Von Lisa-Maria Röhling

Fotos: Hans-Henning Hasselberg


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