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Wenn Michael Schreiber Karussell fährt, strahlt er vor Begeisterung. Er hält den Schließbügel des Wagens mit beiden Händen fest. Er liebt die Fahrgeschäfte auf dem Freimarkt, je schneller, desto besser. Sein Rollstuhl muss allerdings immer in der Nähe stehen bleiben. Am Donnerstag wurde auf dem Freimarkt der Tag der Menschen mit Behinderung gefeiert. Für die knapp 800 Gäste aus unterschiedlichen Behinderteneinrichtungen fuhren die Fahrgeschäfte an diesem Tag langsamer.

Seit vielen Jahren wird der Tag der Menschen mit Behinderung von den Schaustellern ausgerichtet. Die Gäste aus unterschiedlichen Behinderteneinrichtungen aus Bremen und umzu erhalten nicht nur eine Einladung ins Bayernzelt mit einem zweistündigen Unterhaltungsprogramm, sondern besonders die sogenannten „Bummelpässe“.

Diese werden von den Schaustellern zur Verfügung gestellt. Damit können die Gruppen bei bestimmten Karussells auf dem Freimarkt umsonst mitfahren. Die Besonderheit liegt vor allem in der Geschwindigkeit, die in vielen Karussells gedrosselt wird.

Thomas Pierucki ist schon seit 28 Jahren Moderator und Mitorganisator des Thementags auf dem Freimarkt. Er ist vor allem für das Bühnenprogramm und die Musik im Bayernzelt verantwortlich. Er erklärt, dass mit der geringeren Geschwindigkeit auch Menschen eine Fahrt genießen können, die aufgrund ihrer Medikamente oder ihrer körperlichen Einschränkungen eine Karussellrunde mit hoher Geschwindigkeit normalerweise nicht mitmachen könnten.

In diesem Jahr seien knapp 800 Menschen aus unterschiedlichen Einrichtungen mit ihren Betreuern zum Tag der Menschen mit Behinderungen gekommen.

Während auf dem restlichen Freimarkt noch alle Buden geschlossen sind, herrscht um 12 Uhr zum Auftakt im Bayernzelt schon ausgelassene Partystimmung. Die Menschen schunkeln auf den Bierbänken zur lauten Schlagermusik hin und her. Schon nach kurzer Zeit war die kleine Tanzfläche vor der Bayernzeltbühne mit ausgelassenen Gästen gefüllt. Die Texte zu „Über sieben Brücken“ oder zum „Werder-Lied“ können hier alle auswendig. Jeder singt ausgelassen mit.

Dass der Regen in Strömen auf das Festzelt prasselt, das kümmert hier niemanden. Zwischen den Feiernden laufen die Kellner des Bayernzeltes umher und versorgen die Gäste mit Getränken. Normalerweise hat das Personal um diese Zeit noch frei, aber für diesen Tag wird seit vielen Jahren von Bayernzeltbetreiberin Diana Traber eine Ausnahme gemacht.

Seit vielen Jahren ist auch die amtierende Miss Bremen zu Gast beim Tag der Menschen mit Behinderung. Anne Imhoff posiert auch gleich für Fotos und steht für zahlreiche Umarmungen bereit. Auch Rudolf Robrahn, der Vorsitzende des Schaustellerverbundes des Landes Bremen, ist seit vielen Jahren mit dabei.
Denn die Schausteller richten den Aktionstag nicht nur aus, sie riefen ihn auch einst ins Leben: Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg luden sie zunächst Kriegswaisen und Heimkinder auf den Freimarkt ein. Diese Initiative wurde schließlich zugunsten der Menschen mit Behinderung angepasst.

Torsten Welke und seine Mutter vor einem Karussell auf dem Freimarkt. Tag der Menschen mit Behinderung. Freimarkt in Bremen.
Torsten Welke und seine Mutter vor einem Karussell auf dem Freimarkt. Am Donnerstag war Tag der Menschen mit Behinderung beim Freimarkt. Fotos: F. Mondl

Jeweils im Sommer vor Beginn des Freimarktes können sich die einzelnen Gruppen anmelden. Inzwischen ist die Nachfrage allerdings so groß, erklärt Pierucki, dass er auch manchmal die schwierige Entscheidung fällen muss, wer kommen kann und wer nicht.

„Es ist jedes Jahr wieder ein riesiger Spaß“, sagt Betreuerin Corinna Römer von der Stiftung Friedehorst. Dass die Schausteller so tatkräftig mithelfen, finden sie und ihre Kollegen sehr gut: Viele Metallflächen rund um die Fahrgeschäfte sind oft sehr glatt.

Da ist es nicht einfach, einen Rollstuhl zu den leeren Wagen zu schieben. Deshalb gibt es nicht nur Rampen, um einfacher auf die Plattformen zu kommen. Die Betreiber bemühen sich außerdem, dass die Wagen direkt vor den abgestellten Rollstühlen halten, damit das Ein- und Aussteigen erleichtert wird.

Die Wohngruppe 16b der Stiftung Friedehorst kommt schon seit unzähligen Jahren zum Behinderten-Tag auf dem Freimarkt. Auch Michael Schreiber ist dabei. Er ist ein richtiger Jahrmarktsfan: Am liebsten fährt er im Auto-Scooter. Darauf freut er sich schon seit Wochen. Doch auch die Fahrt im Karussell macht ihm viel Spaß.

Seine Mitbewohner steigen ebenfalls begeistert in die Wagen ein. Viele reißen bei der Fahrt die Arme in die Luft oder Jubeln laut. Als sie alle langsam wieder zum Halten kommen, springen einige mit roten Wangen auf. Denn hier soll keine Sekunde verschwendet werden: Gleich weiter zum nächsten Fahrgeschäft.

Von Lisa-Maria Röhling


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