Aktuelles Freimarkt-Wetter

0 °C und Wolkenbedeckt

Aktuelles Wetter

0 °C
Wolkenbedeckt

„Wenn gegrölt wird, ist Schluss“





Herr Schider, wie laufen die Vorbereitungen auf den Umzug?

Georg Schider: Sehr gut, wir sind auf Ballhöhe und komplett im Soll. Die Vorbereitungen laufen prima. 143 Teilnehmergruppen sind angemeldet und wir sind bereit, mit ihnen ein spaßiges und sicheres Volksfest zu feiern. Wir sind wie immer für alles gewappnet, um es möglichst allen recht zu machen. Dem Veranstalter, der alles reibungslos ablaufen sehen möchte. Den Zuschauern, die ein buntes und fröhliches Spektakel zu sehen bekommen möchten. Den Teilnehmern, die lockeren Spaß haben und sich präsentieren wollen. Den Fernsehteams, die sehr genaue Vorgaben für alles haben und auch den Kindern, die unbedingt Bonbons sammeln möchten.

Was sind generell die Probleme während des Vormittags, mit denen Sie in der Regel zu tun haben?

Georg Schider sieht Probleme beim Freimarktsumzug. Foto: Karsten Klama

Das fängt alles bei der Aufstellung des Umzuges in der Gastfeldstraße an. Hier kommen in sehr kurzer Zeit alle Gruppen an, werden von ihren zugeteilten Mitarbeitern eingewiesen und so in die richtige Reihenfolge gebracht. Das ist ein ziemlicher Aufwand, bei dem wir gut aufpassen müssen. Denn während wir dort rangieren und organisieren, feiern um uns herum schon viele Bürger, die zum Teil auch schon arg angetrunken sind. In diesem Gewimmel besteht immerzu das Risiko von Unfällen zwischen teils zu schnell fahrenden Traktoren und Wagen, Passanten und unaufmerksamen Zuschauern. Hier hilft uns aber auch die Polizei, mit der Masse an Arbeit und Risiken umzugehen.

Und während des rollenden Umzuges?

Hier achten wir, soweit möglich, auf das Zusammenbleiben des Umzuges, sodass keine allzu großen Abstände zwischen einzelnen Teilnehmergruppen zustande kommen. Das ist dem Fernsehen aufgrund der begrenzten Übertragungszeit sehr wichtig. Doch das ist oft sehr schwierig, da zum Beispiel eine Tanzgruppe ihre Zeit für kurze Darbietungen braucht. Das können wir nicht ändern und das gehört zum Umzug hinzu. Eine Gefahr, die von den Wagen ausgeht, sind Höhenüberschreitungen, wodurch die Oberleitungen berührt werden können. Und natürlich Alkohol und undiszipliniertes Verhalten am Umzug von den Zuschauern, sowie bei den Teilnehmern auf den Wagen.

Gab es bei den technischen Hilfsmitteln zuletzt eine Veränderung?

Wir haben mittlerweile eine Funkgeräteapp, die es uns ermöglicht, ständigen und störungsfreien Kontakt zwischen allen Beteiligten zu gewährleisten. Zudem lassen sich so sehr schnell Fotos von Störfällen austauschen. Das hilft sehr, da vor allem der dauerhafte Empfang von der Neustadt bis in die Innenstadt mit normalen Funkgeräten oft nur schwer zustande kam.

Viele Gruppen und Vereine steuern einen Teil zum Erfolg des Umzugs bei. Foto: Walter Gerbracht

Hat sich in letzter Zeit etwas an der Sicherheitslage im Umzug verändert?

Der Alkoholkonsum drohte vor Jahren zu stark zu werden, da steuern wir kräftig dagegen und das trägt auch langsam Früchte. Aber es ist und bleibt ein Problem. Alkohol gehört dazu, das sehen wir ein, aber es gibt viele Zuschauer, eine Fernsehübertragung, kurzum, wir haben ein Niveau zu wahren. Es fielen früher ja sogar schon Teilnehmer alkoholbedingt vom Wagen. Oder einmal wurden von einem Wagen aus am Brill Flaschen in die Menge geworfen, das mussten wir schnell und konsequent unterbinden. Die Disziplin ist ein bisschen besser geworden, aber es gibt immer noch Ausreißer. Wir bleiben auch dieses Jahr dabei: Bei Alkoholexzessen holen wir die auffälligen Leute vom Wagen oder er wird als Ganzes vom Umzug ausgeschlossen.

Wo liegt die Grenze beim Alkohol? Ab wann ist es zu viel?

Das ist sehr individuell, manche sind auch sehr nett, wenn sie getrunken haben und weisen eine sehr angenehme Bierweise auf, doch manche eben nicht. Generell kann man sagen, wenn sie diese Alkohol-Blödheit im Gesicht stehen haben – das ist weit mehr als nur ein kleiner Glimmer vom Vortag, dann ist es zu viel. Wir schauen uns das halt bei jedem an, aber wenn da an Bord eines Wagens gelallt, gegrölt, krakeelt oder sich sogar übergeben wird, ist Schluss.

Sollte man denn gar nichts mehr trinken?

Absolutes Alkoholverbot herrscht selbstverständlich für Fahrer sowie die Achs-Begleitungen, die aufpassen, dass niemand unter die Fahrzeuge gerät. Die tragen eine sehr große Verantwortung, an der Strecke sind Kinder, wenn die Bonbons sehen, laufen sie los. Da sind auch die Zuschauer ein Problem. An der Strecke trägt der Alkohol nämlich so langsam besondere Früchte. Da ist es extremer geworden.

Wie äußert sich das?

Ausgefallene und kreativ gestaltete Wagen bahnen sich ihren Weg durch die Stadt. Foto: Christina Kuhaupt

Durch absolute Verantwortungslosigkeit mancher Zuschauer, vor allem von Eltern mit ihren Kindern. Und das Ganze gepaart mit Restalkohol vom Vorabend oder direkt am Morgen angetrunkenem Pegel. Alkoholisierte Mütter und Väter schicken so teils ihre Kinder vor die fahrenden Zugmaschinen, um Bonbons aufzusammeln. Bisher ist nichts passiert, aber es war schon häufiger mal knapp. Da waren Kinderbeine unmittelbar vor Treckerreifen. Mein Albtraum: Ich habe immer Angst um Kinder, einen solchen Unfall möchte ich nicht erleben. Hinzu kommt, dass die Ordner sich in Gefahr bringen, wenn sie eingreifen, da die Väter teils gewalttätig werden, wenn man ihr Kind anfasst, um es in Sicherheit zu bringen.

Das klingt bedrohlich.

Ja, da kam es schon zweimal zu Schlägereien. Die Leute werden in ihren Reaktionen und Umgangsformen immer roher und extremer. Das merke ich auch bei anderen Veranstaltungen: Grundlose Aggression, ich sehe davon reichlich. Vielleicht wird es in der Summe nicht mehr, aber die Qualität nimmt zu. Und teils drehen die Leute am Rande des Umzuges auf der Jagd nach den Bonbons wirklich durch.

Was ist an diesen Bonbons so toll?

Es sind eigentlich nicht die Bonbons, es ist das Erlebnis und aufkommende Kindheitserinnerungen sowie die pure Begeisterung darüber, beim Umzug dabei zu sein. Manchmal lassen wir in bestimmten Zonen die Kinder auch rein und sammeln, aber eigentlich ist an den Absperrungen Schluss.

Macht Ihnen persönlich der Freimarktumzug trotz allem denn noch Spaß?

Oh, ja, da gibt es kein Vertun. Es macht riesigen Spaß. Es ist aber auch sehr anstrengend und stressig, vor allem zu Beginn.

Die Fragen stellte Gerald Weßel.


Teilen: